Ich spreche von den vielen kleinen Toden, welche man im Laufe seines Lebens stirbt: Dann, wenn Beziehungen enden, Strukturen errodieren und sich die aktuelle Version deines Selbst – deines Lebens – grundlegend verändert.
Wir alle kennen diese Momente. Wenn das Leben stärker ist als das, was du dir zurecht gelegt hattest.
Wenn endet, was nicht enden darf.
Dann fühlt es sich schon mal an als stirbt man einen oder auch gleich tausend Tode. Unsere Reaktion auf den Tod ist meistens Ablehnung, Widerstand, Festhalten und/oder Angst.
Doch aus Sicht der Natur und sobald etwas Zeit vergangen ist, lässt sich nicht nur tiefe Gewissheit im Tod erkennen, sondern auch wahrhaft Schönes.
In den letzten Wochen und Monaten habe ich viel über dieses Thema nachgedacht denn die Schule des Lebens nimmt ihren Lernstoff sehr gründlich mit mir durch. Auf dem Lehrplan steht diesmal:
Radikale Transformation – Was ist, wenn Pläne/Träume/Ziele platzen?!
Mein Lernfeld dafür ist dieser Blog bzw. Ich, und wie ich meine Gaben in die Welt bringe. Länger als ein Jahr wusste ich tief in mir, dass ich mehr Zeit für mich brauchen würde um weiter zu wachsen – beruflich und privat.
Außerdem fühlte sich mein Blog und das, was dran hängt, nicht mehr 100% stimmig an. Ich war fest entschlossen mich mehr von meiner wahren Natur zu zeigen und die Änderungen einzuleiten, die es dafür brauchte. Also ging ich vor ein paar Monaten in mich und fragte mein Herz: „Was soll ich jetzt tun?“
„Lass‘ alles sterben.“ antwortete es mir.
Mir blieb die Luft weg, und die Sprache sowieso… Es machte keinen Sinn. Jetzt, wo sich die harte Arbeit begann auszuzahlen sollte ich alles wegschmeißen? Ich hatte doch nicht Zeit, Geld und Nerven investiert um nun, kurz vorm gefühlten Durchbruch, wieder alles zu begraben?!
Die Zeit stand für eine Weile still. Ich wusste gar nichts mehr. —
Diese Momente meine ich. Augenblicke, in denen die/der Weise in dir erkennt, was gut und richtig für dich ist. In denen das Innen eine Kurskorrektur macht und dich in die neue Richtung weist. Ganz gleich, ob du dich bereit fühlst oder nicht. Oder ob du willst, oder nicht. Denn das Leben und seine Wahrheiten eilen dir nach.

Je radikaler das Leben durchgreift, umso deutlicher wird die Notwendigkeit sein dich auf den Weg (d)eines authentischen und freien Lebens zu bringen.

Zunächst ging mir nicht in den Kopf wie es weitergehen sollte, allein schon rein finanziell. Also – und das kennt wohl jeder von uns – versuchte ich die Wahrheit zu ignorieren. Du kannst dir ja ausrechnen wie gut das funktioniert hat. 😉
Dann versuchte ich mit meiner inneren Stimme zu verhandeln. Mein Verstand hatte schließlich genug Gegenargumente 😉 Je mehr ich versuchte einen anderen Weg zu finden, umso heftiger wurde ich immer wieder mit der Nase auf meine Muster gestoßen…
… und dann ließ der magische Finger des Lebens radikal Aufträge wegfallen, die Website zusammenbrechen und mich wochenlang uninspiriert vor leeren Blättern sitzen. Schreiben war mein Ausdrucksmittel, mein Hafen… und der war nun für mich geschlossen worden. Ha!
Zu wissen was wir wollen ist nicht schwer, danach zu handeln umso mehr.
Wir wissen ja eigentlich, was gut und richtig für uns wäre. Wie in meinem Fall… Ich wusste, was ich brauchte und konnte doch nur bedingt danach handeln. ‚Es zu tun‘ fällt uns oft noch so schwer weil die ungeschriebenen Gesetze in unseren Köpfen und unserer Gesellschaft tief sitzen.
Denn was oder wer bist du wenn die Performance wegfällt?
Was löst du in den anderen damit aus?
Kannst du mit ihren Reaktionen leben?
Bist du so stark um Ja zu dir selbst zu sagen – und auch dabei zu bleiben?

P.A.U.S.E.
… Und es ist doch so: Der Tod alias das Schicksal meldet sich ja lange bevor es zuschlägt. Oft klopft es sogar recht freundlich an unsere Türe und geht erst dann brutale Wege wenn wir nicht bereit waren die Wahrheit des Herzens anzunehmen. Nicht wahr?!

Der einzigartige, natürliche Lauf des Lebens lässt sich nicht uniformieren.

Wir wachsen spiralförmig, nicht linear. Wir kommen immer wieder an Stationen unseres Lebens an von denen wir dachten, wir hätten das längst hinter uns gelassen.
Auf dem Weg des Herzens, dem Weg des Erwachens bzw. dem Weg der Selbst-Realisation (wie auch immer du es nennen magst) gibt es verschiedene Phasen. Die des kleinen Todes ist eine davon. Denn es stirbt ja tatsächlich etwas in dir: Die aktuelle Version deiner Selbst.
So oft versuchen wir dann die neue, nächste Version mit dem Kopf zu entwerfen. Wir quälen uns damit, wie wir das, was wir fühlen (und vielleicht im inneren Auge auch sehen) in Worte und einen Plan bringen können. Damit es sich wieder sicher anfühlt. Damit sich Umfeld und Familie nicht sorgen und unangenehme Fragen stellen…
Genau hier nimmt uns das Leben hart ran. Es verdreht uns den Kopf. Wir rennen los um dann kurz vorm Ziel zu erkennen, dass wir ins Leere greifen oder sich das Ziel gar nicht so toll anfühlt wie gedacht.

Wir müssen den Kopf verlieren damit er wieder ins Herz rutschen kann.

Der kleine Tod ist nämlich unser Freund. Nur mit seiner Hilfe vollzieht sich die radikale Selbst-Verwandlung. Wenn uns der kleine Tod besucht, ist es Zeit einen Teil des Egos sterben zu lassen.
Der Ego-Teil, welcher uns am Wachstum hindert. Der aufgrund von Ängsten und Denk- oder Verhaltensmustern lieber will, dass wir uns nicht aus dem Gewohnten heraus wagen, sondern lieber (vermeintlich) sicher bleiben.
Ohne Abstand von den Dingen ist es schwer die Ursprünge des Nicht-Vertrauens zu erkennen. Denn letztlich ist es das: Wer am Alten festhält und längst spürt, dass es vorbei ist, traut weder sich noch dem Leben.
In meinem Fall ist es so: Jetzt, wo ich wochenlang nicht im Außen sichtbar war und die Performance wegfiel, war ich nicht nur mit den Verhaltensmustern meiner Beziehungen konfrontiert, sondern auch mit meinen eigenen. Und zwar denen, die subtil gegen mich arbeiten, anstatt mir dienlich zu sein.
Meine Reaktion auf den Tod – das Loslassen – war Traurigkeit, Erschöpfung und Ohnmacht; geboren aus den Samen meiner Erfahrungen und Konditionierung zum Sterben.

Doch jeder kleine Tod leitet auch nur eine neue Geburt deiner Selbst ein.

Wir leben in Zyklen, in Phasen. Wenn ich meinen Blog und mein Wirken wie eine Blüte betrachte, erkenne ich noch mal deutlich, dass Leben Bewegung ist. Wer stagniert und sich zu etwas überredet, fühlt sich nicht lebendig.
Die volle Kraft der Blüte ist ein nach außen gerichteter Ausdruck. Einer, der einen bestimmten Teil der Reise von Enstehung – Verweilen – und Auflösung markiert, aber niemals ein Endziel.
Keine Kraft oder Energie wird von der Natur ungenutzt gelassen.
Jeder Teil des Prozesses ‚Leben‘ wird wiederverwendet und wieder erschaffen. Nach der vollen Blüte verwelkt die äußerliche Ausdruckskraft. Die Energie zieht sich nach innen zurück. Das tut sie um die Quelle der Kreation zu füttern und um alle Informationen, welche während der Erfahrung an sich gemacht worden sind, für die nächste Ausdrucksform zu sammeln und aufzubereiten.
Der Zyklus des Lebens kann überall in unserem Leben betrachtet werden: In Beziehungen, in Projekten, in Liebhabern oder Partnern, in Gefühlsphasen, Wünschen, Zielen… und sogar in dir selbst! 🙂
Was glaubst du also, will dir das Leben im Moment zeigen?
Was will es von dir und deinen Schultern nehmen damit du ____________ tun kannst?
Wo solltest du dir erlauben, den kleinen Tod gewähren zu lassen?
Was ist der Grund dafür, warum du es nicht tust?

Denke daran, es muss keinen Sinn machen was dein Herz dir da sagt. Es muss auch nicht von den anderen verstanden werden. Erlaube dir im Prozess des des Sterbens milde mit dir zu sein und gut für dich zu sorgen. Bedenke bitte, dass diese Prozesse auch nicht nur für dich allein geschehen, sondern auch für dein Umfeld. Durch dich werden Menschen angestoßen oder inspiriert, es dir gleich zu tun.
Es ist nicht immer einfach oder gar leicht diesen radikalen Weg zu gehen, doch ich kann dir sagen, dass ich mich kräftiger und mehr bei mir fühle als je zuvor. Und ich treffe Menschen denen es ganz genauso geht. Nicht der kleine Tod an sich oder die Radikalität der Wahrheit unseres Herzens ist es was es uns so schwer macht. Ich glaube, es ist die Tatsache, dass wir im Weg stehen. Vor allem und eigentlich nur uns selbst. 😉

9 Kommentare

  1. Brigitte Dobler

    Ja, so geht es mir gerade beruflich au so. Durch einen Unfall war ich letztes Jahr 9 Monate zuhause. Viel Zeit zum nachdenken, leider ohne Ergebnis. Nur das was ich nicht will ist klar. Nun beginnt sich das Rad zu drehen. In der Firma werde ich übergangen, bekomme keine Gehaltserhöhung usw.
    Die Krankheit hat mir beigebracht gelassen zu bleiben. Deshalb beobachte ich das Ganze und habe das Vertrauen, dass die Tür im richtigen Moment aufgeht.
    Danke für den Blog
    Alles Gute
    Brigitte Dobler

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    • Anja

      Danke, dass du das mit mir und uns teilst, Brigitte! Wenn ich nicht wusste, was ich will, sondern nur was ich nicht will, hat mir immer geholfen, nach den Gründen der Ablehnung zu suchen. Beispielsweise wollte ich nicht mehr im Büro sitzen, wusste aber nicht richtig warum. Bin dann drauf gekommen, dass ich als Hochsensible einfach viel Zeit draußen und in der Natur brauche um überhaupt zu funktionieren (im positiven Sinnen gemeint). Ich wünsche dir alles Gute!

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  2. Nicole

    WOW! Dieser Artikel spricht mir absolut aus der Seele. Bei mir herrscht grad totales Chaos. Wirklich alles ändert sich und vielfach habe ich keine Ahnung in welche Richtung es sich ändert…Ein starker Hinweis, dass irgendwas in mir zum Vorschein kommen will war, dass ich seit Anfang Februar eigentlich durchgängig erkältet bin. Inzwischen, seitdem manches etwas klarer erscheint, hat es sich gebessert. Seltsamerweise spüre ich in letzter deutlich durch Gespräche mit anderen, wo meine Sehnsucht liegt. Ich treffe viele Menschen, die Tanzen. Ich selbst liebe Tanzen schon immer, es ist für mich eine Art Meditation, mein Mittel um inneren Ausgleich zu finden. Und ich frage mich, warum mir das jetzt immer wieder so deutlich gemacht wird, gerade wo beruflich auch grad ein großes Fragezeichen steht. Zunächst nutze ich den Tanz für mich, um in diesem Chaos ein bisschen mehr Balance zu finden und zur Ruhe zu kommen. Für mich steht eine große Transformation an, das spüre ich. Aber es ist tatsächlich beängstigend, wenn man nicht weiß, wohin die Reise geht.

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    • Anja

      Du bist so aufmerksam und erkennst, was das Leben dir sagen will! Das ist doch toll! Ich finde es großartig, dass du dich durchs Tanzen ausdrückst und wenn vieles oder gefühlt alles wegfällt, bleibt immer das, was wir wirklich brauchen. Kann es sein, dass deine Reise mit Ausdruck durch Bewegung zu tun hat? Du bist doch sehr feinfühlig, vielleicht ist es dein Weg auch Menschen zu zeigen, wie sie sich mit dem Inneren verbinden können?!
      Alles Liebe für dich und deinen weiteren Weg 🙂

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      • Nicole

        Hallo:-)
        Das ist ein guter Denkanstoß und interessanterweise hatte ich diese Überlegungen selbst schon. Mir ist aber noch nicht klar, wie das Ganze letztlich nach außen treten wird.
        Vielen Dank für die lieben Worte.

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  3. Monika Gründel

    Ja absolut, liebe Anja,
    der kleine Tod ist nur das Sterben aller abgekauften Illusionen. Und darunter wird der Rohdiamant sichtbar, immer mehr und das Leben schleift ihn. Eine tolle Frau hat uns mal für ein Plakat einen tollen Spruch geliefert! 😉 Und dieser ist auch immer noch gültig: http://wertschaetzungskampagne.com/shop/wertschaetzungs-poster/umarme-den-prozess/
    Lass alles sterben! Ist eine perfekte Initialzündung!!!
    Das Wegbrechen von Aufträgen, wegen des Geldes in die Knie gezwungen zu werden, all das ist das Signal. Ich hatte dazu damals vor über 2 Jahren auch einen Blog geschrieben: http://dasspielfeldleben.com/von-einer-die-auszog-um-das-brauchen-nicht-mehr-zu-brauchen/
    Und auch jetzt, nachdem ich mich von so vielen Illusionen befreit habe, kommt das nächste Signal – etwas Gewohntes bricht weg – für die nächste Ebene der Schöpfung des Lebens, wie ich mir es nicht vorstellen kann. Und das macht grad alles so weit. Die Angst ist überhaupt kein Thema mehr. Das was auftaucht, wird sofort gelöscht und alles wird weiter!
    Komm doch mal vorbei! Die Einladung steht immer noch! 😉
    Allerliebste Grüße!
    Moni

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    • Anja

      Hallo liebe Moni, oh ja. Wie wahr! Gleich löschen und weiter… so wird’s gemacht 😉 Ich will euch auf jeden Fall besuchen kommen dieses Jahr. Die Frage ist nur wann ich wieder in HH oder Berlin sein werde um das miteinander zu verbinden. Wir bekommen das hin. Deinen Blogbeitrag werde ich mir heute Abend zu Gemüte führen. Merci 😉 Sei geherzt!

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  4. Sonja

    Liebe Anja,
    ich muss gerade am eigenen Leibe erfahren, was es heißt, einen Tod zu sterben. Mein Mann hat mir gestern gesagt, dass er in eine andere Frau verliebt ist und hat mir mein Herz gebrochen. Jetzt ist da nur noch tiefer Schmerz und eine Welt, die in Trümmern liegt.
    Da ist es so unglaublich schwer, mich zu fragen, was das Leben da mit mir vorhat. Wohin es mich tragen will.
    Im Moment ist da nur purer Schmerz und großer Selbstzweifel. Und ich hab noch keine Ahnung, wie ich das wieder hinbekommen soll.
    In Dankbarkeit, sonja

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    • Anja

      Liebe Sonja,
      ich wünsche dir viel Kraft in dieser Zeit! Liebe Grüße, Anja

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