Warum bedeuten mir manche Dinge mehr als andere?
Es gibt ja so Tage, an denen man sich fragt, warum man überhaupt die Dinge tut, die man tut. Warum man so hart dafür arbeitet?! Wer eigentlich wann und wo entschieden hat, dass etwas bedeutend, wichtig oder sinnvoll ist?! Und vor allem: Warum?
In einem bestimmten Alter fragen Kinder ja ständig nach dem Warum. Als ich kleiner war, galt ich wohl als Außenseiter. Wir waren umgezogen, wegen meiner Schüchternheit hatte ich Probleme, richtigen Anschluss zu finden. Ich wurde zum stillen Beobachter der Welt um mich herum. Das interessanteste damals war tatsächlich die Frage nach dem Warum und wer denn eigentlich entscheidet, dass etwas wichtiger und bedeutungsvoller ist, als anderes.
Zum Beispiel erinnere ich mich noch genau daran, wie ich am Morgen des 10.11.89 in eine leere Schulklasse kam und meine Lehrerin tränenüberströmt auf ihrem Schreibtisch saß. Unsere Schulbücher durften wir von nun an nicht mehr benutzen – sie waren von einem Tag auf den anderen bedeutungslos geworden, wo doch vorher genau das Gegenteil der Fall war?!
Ich weiß noch, dass es Prügeleien in der Hofpause gab, weil jemand Milchschnitte dabei hatte und behauptete, dass das West-Essen viel toller sei als unsere ollen Stullen… Oder wie wir in der Aula versammelt wurden, um Honneckers Abbild von der Wand zu nehmen… All das, was wir im montäglichen Fahnenappell sangen, hatte plötzlich an Bedeutung verloren.
Es war ziemlich seltsam zu entdecken, wie Menschen kollektiv geschlossen umschwenken können oder generell gesagt – und das bezieht sich auch auf heute – etwas mit scheinbarer Begeisterung und Überzeugung nachgehen, nur weil jemand gesagt hat, dass es so zu sein hat. Seither dauert meine kindliche Phase des Fragens nach dem Warum an.
In nahezu jeder Konversation, jedem Gespräch zu nahezu jedem Thema, taucht dieses Wort in meinem Kopf auf: Warum hat sich jemand selbstständig gemacht? Warum arbeitet der- oder diejenige dort? Was treibt ihn oder sie an? Warum entscheidet sich jemand für oder gegen etwas? Oder dafür, etwas bedeutungsvoll zu finden oder eben nicht?
Meine sehr ausgeprägte Neugier und diese Tatsache haben mir eine ziemlich interessante Perspektive auf meine Umwelt gegeben. Meine Erkenntnis ist kein Meilenstein für die Menschheit aber so simpel und so wichtig, weil wir zu oft vergessen:

Nichts ist wirklich bedeutungsvoll, solange du es nicht dazu machst.
Bis wir selbst entscheiden, dass wir Sinn und Bedeutung in etwas geben und unsere Handlungen danach ausrichten.

Diese Erfahrungen haben wohl sehr dazu beigetragen, dass mein Hierachieverständnis relativ schwach ausgeprägt ist; ich immer wieder hinterfragen und selbst entscheiden will, was Sinn und Bedeutung hat. Es hat dazu geführt, bewusst zu verstehen, wie ich mein Leben sinnvoller und lebendiger für mich gestalten kann, so dass ich mich verbundener und erfüllter fühle.
In der Vergangenheit bedeutete das bereits, nicht für oder mit Leuten zu arbeiten, deren Verhalten oder Absichten nicht mit meinen Werten Hand in Hand gehen. Trotz des finanziellen Risikos – ganz zu schweigen vom Sozialen! – und des Stress‘. Es bedeutete, Freundschaften loszulassen. Die Verbindung zwischen mir und meiner Familie zu suchen. Es bedeutet auch, immer wieder mit einem Gefühl zwischen Weltherrschaft (meine eigene) und Größenwahn (meine Zweifel) nach mehr Leidenschaft und Tiefe zu suchen.

Es bedeutet auch, sich gegen die Moral-, Verhaltens- und Wertvorstellungen zu stellen, die einen womöglich das bisherige Leben begleitet haben. Es bedeutet, sich gegen das zu entscheiden, was man nicht will und ja zu dem zu sagen, was Wichtigkeit hat: Ja zu dir selbst!

Für die Dinge, für die ich leidenschaftlich brenne, heißt es aufzustehen. Wenn es sein muss, sie zu verteidigen. Es bedeutet für mich persönlich, Small Talk wie die Pest zu meiden und keine Beziehungen mehr zu verfolgen, die nicht erfüllend sind.
Zu jeder Zeit kannst du entscheiden, ob du in eine Sache, ein Gespräch, eine Beziehung, Geste oder Freundschaft, einen Trend, Arbeit oder irgendetwas dazwischen, Bedeutung hineingeben willst, oder nicht.
Hier sind einige Vorschläge, wie du mehr Sinn und Tiefe in dein tägliches Leben bringen kannst:
1.) Mach dir deine eigene Wahrheit bewusst

Du bist die Autorität in deinem Leben, die einzige! Niemand sonst, außer dir selbst, kann wissen, was gut für dich ist und was nicht. Es bedarf Zeit, Geduld und Liebe mit sich selbst, um herauszufinden, was man wirklich will. Nimm eine frische Perspektive ein, schau dir die Dinge genau an. Fühl‘ in dich hinein. Beobachte, was dir Freude bringt und dann tu mehr davon.
2.) Nimm einen Schritt zurück und lass locker
Frage dich – was auch immer es ist – warum du dieser Sache oder dem Ding diese Bedeutung beimisst. Warum hast du das Gefühl, das tun zu müssen? Warum ist es wichtig und notwendig? Was ist das Resultat oder wie zahlt es sich aus – auf dem Weg zu einem erfüllten Leben oder Business?
Aus Bequemlichkeit neigen wir dazu, dem zu folgen, was andere machen… Wir glauben vielleicht, wenn die dabei Spaß haben, wird es bei uns auch so sein. Oh Oh – Das ist wohl der schnellste und sicherste Weg, sich selbst unglücklich, sehnsüchtig und leer zu fühlen.
3.) Nimm in Angriff, was dir Freude bereitet
Alles was dich nicht erhebt, mach anders oder lasse es sein. Wenn dir etwas nicht bekommt, geh dem aus dem Weg. Sollten deine Freunde dich in deiner Herzensangelegenheit nicht unterstützen oder gar Zweifel sähen, sprich nicht mehr mit ihnen darüber. Finde Leute, die es interessiert und an dich oder deine Idee glauben. Frag dich, was deine Werte sind und dann schau, dass sie mit deinen Handlungen in Einklang stehen.
Das wird nicht immer einfach sein, denn darüber zu schreiben, es zu sagen oder zu lesen, ist es. Handeln dafür umso mehr. Angst und Zweifel sind an sich gute Begleiter, denn sie zeigen uns doch letzen Endes, dass wir wachsen. In die richtige Richtung.
Vertrau darauf, dass deine innere Stimme und dein Gefühl dich zu deinem Besten leiten werden. Vertrau darauf, dass sie immer wieder zu dir zurückkehren und lauter werden, solltest du sie ignorieren. Mach einen kleinen Schritt und fang an, hinter allem was du tust, deinen Sinn und die Bedeutung zu finden. Und bevor du dich versiehst, wird dein Leben bunter, erfüllender und fröhlicher sein!
Das ist meine Frage an dich: Nehmen wir an, du könntest mehr Sinn und Bedeutung in deine Arbeit bringen, so wie du es dir vorstellst: Was wäre das wohl?
Schreib mir doch im Kommentar!

Alles Liebe & bleib im Fluss!

PS: Und wie immer bitte ich dich: Falls du diese Zeilen anregend oder hilfreich fandest, teile sie doch weiter!

3 Kommentare

  1. Petra Schwehm

    Liebe Anja,
    zunächst einmal – dein Bild ist der Hammer. Ich liebe es und die bunten Farben dazu! Dein Artikel hat mich schmunzeln lassen und berührt. Dass du die Freude betonst, gefällt mir, denn das sehe ich genauso. Diese Freude und den Sinn finde ich immer im gegenwärtigen Moment, wenn ich innehalte und bewusst mich und alles um mich herum wahrnehme. Danke für deine Inspiration!
    Alles Liebe,
    Petra

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  2. Sandra Heim

    Liebe Anja, das hast Du wirklich toll geschrieben. Vor vielen, vielen Jahren habe ich auf einem Poster das ZItat von Kant gelesen: „Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen“. Und das hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Ähnlich wie Du es mit Deinen Schlüsselmomenten beschreibst. Mir gefällt Deine rebellische Ader 🙂

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    • Anja

      Danke Petra und Danke Sandra! Tolles Zitat, kannte ich noch gar nicht!

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