Ich möchte Menschen immer dazu ermutigen wirklich zu fühlen, was sie fühlen.
Wenn ich mich allerdings selbst und andere beobachte, meine Freunde, meine Klienten und auch das Kollektiv, dann erkenne ich, wie viel Angst wir davor haben, unsere Gefühle wirklich zuzulassen.
Wir winden uns davor, das vermeintlich Negative zu empfinden, „auszuhalten“, anzusprechen und ja, zu zeigen. Und wenn wir es vielleicht doch tun, gibt es meistens jemanden der uns dabei helfen will, das Gefühlte schnellstmöglich wegzureparieren. Schließlich sind wir ja im tiefsten Kern unserer menschlichen Seele reine, pure Freude, nicht wahr?!
Manche Menschen sagen, sie würden generell nicht viel spüren oder fühlen. Andere sagen wiederum, sie fühlten zuviel.

Offensichtlich ist, das wir darauf trainiert sind nur das Schöne, das Süße und das Leckere zu spüren, nicht aber das Bittere, das Saure und das Hässliche.

Offensichtlich ist auch, dass wir kollektiv daran kranken. Sonst hätten Zigaretten, Alkohol, Süchte in Form von Nahrung, Drogen, Sport, Arbeit, Stress, Sex… nicht solchen „Erfolg“…
Wir drücken das Unangenehme weg. Wir vermeiden wahrlich tiefe Gefühle, und wir vermeiden es, offen und ehrlich darüber zu sprechen.
Mir fällt auf, wie viele Menschen in den letzten Monaten heimlich in die Ecke kotzen, müde und genervt sind, sich und ihr Leben hinterfragen… oder dies auch ganz bewusst nicht tun… und versuchen, das Bild nach Außen hin aufrecht zu erhalten.
Ich sehe viele, die in die Kontrolle und in die Härte gehen, da Gefühle rational und unberechenbar sind, und lieber dem Verstand unterzuordnen.
Ich sehe aber auch genauso viele Menschen die sich mutig aus den alten Mustern herausbewegen, loslassen und sich auf unbekannte Gewässer trauen; „nur“ weil ihre Herzen sagen, dass das die neue Richtung ist, und ohne zu wissen, wohin der Wind sie wehen wird.
Ganz gleich, an welcher Stelle du dich gerade befindest: Lass dir kein X für ein U vormachen. Wir sitzen alle im selben Boot.
Wenn du raus gehst und dich traust zu springen und auf Unverständnis stößt, wisse, dass das ein Teil der Lektion ist um dich stärker zu machen, dich ins Vertrauen und in deine Kraft zu bringen.
Sei dir gewiss, dass du die um dich herum triggerst und du natürlich – weil die Lektionen des Lebens nun mal eine stärkere Wirkung entfalten wenn nicht gleich Blumen und Fans deinen Weg säumen – etwas in ihnen anstößt. Dass du wirkst. Mit deinen Fragen. Mit deinen Bedenken, und mit deinem Mut das Neue anzunehmen, auch wenn es sich alles andere als mutig anfühlt.
Ich weiß, wie viele große Augen und Fragezeichen einen anschauen wenn man von seinen neuen Ideen und Absichten erzählt, und doch noch nichts Konkretes liefern kann.
Ich weiß wie es ist, wenn dann Verstand und Ego des Gegenübers nachbohren; sie entweder nichts mehr sagen (was dich verunsichert), sie dir Tipps geben, auf die man hätte verzichten können, sie dich auseinandernehmen mit Fragen, oder aber dich tätscheln, dir viel Glück wünschen und eigentlich damit meinen „… denn sie wissen ja nicht, was sie tun.“
Die Wahrheit ist, dass es momentan jedem von uns so geht. In irgendeiner Art und Weise ist momentan jeder von uns zwischen den Stühlen. Die/der eine mehr oder weniger.

Also achte auf das, was nicht gesagt wird. Achte auf das, was in der Luft liegt. Nimm wahr, was dein Bauch dir sagt und dein Verstand daraus macht.

Sei dir sicher, dass du nicht allein mit diesem Weg bist.
Unsere kollektive Angst wahrhaftig zu sein und unsere echten Emfpindungen zu zeigen lässt uns immer wieder so tun als ob. Manchen ist das bewusst, anderen nicht. (Oder noch nicht so sehr.) Und das ist absolut in Ordnung.
Die Wahrheit ist die: Die Natur liefert immer das volle Spektrum.
Demnach können wir nicht nicht-fühlen. Wenn wir nichts spüren, sind wir nicht in Kontakt mit dem was trotzdem da ist. (Allein das ist schon eine Information mit der man arbeiten kann.)
Demnach kann dir jemand auf die Frage „Wie geht’s dir?“ antworten, dass alles bestens sei. Solange die Augen dabei nicht leuchten, ist es das nicht.
Demnach kann dir jemand sein Herz ausschütten und glauben, dass sei das Ende der Welt. Wenn die Ruhe nach dem Weinen einsetzt, gibt es immer einen neuen Raum in dir, eine Leere, die wieder befüllt werden will. Und damit ist es auch nicht das Ende.
All das macht uns menschlich und das Leben lebendig. Unsere Gefühle zuzulassen und zu fühlen bringt uns zurück nach Hause, zu uns selbst, dem inneren Kern. Gefühle schaffen Verbindung mit uns, unseren Freunden, Partnern, Kollegen… und dem Rest der Welt.
Gefühle sind die Sprache des Universums. Sie sind es, was uns antreibt oder stehen lässt.

Gefühle sind der Puls deiner Seele und sie bringen dich immer dahin zurück, was wirklich wichtig ist: Dein Herz.

Also lasst uns mehr Gefühle zeigen und leben. Ich wünsche mir eine solche Welt und gebe mein Bestes, meinen Beitrag zu leisten. 😉

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2 Kommentare

  1. Somebody

    Wow, sehr guter Text :). Sehr motivierend und auch viel Wahrheit steckt darin.

    Antworten
  2. Lydia Wilmsen

    Das hast du sehr schön geschrieben, liebe Anja! 🙂
    Ja, auf das lauschen, was neben dem vielen Lärm und der hohen Geschwindigkeit, noch passiert… Gerade für hochsensible Menschen immer wieder wichtig. Die feine Wahrnehmung auch für sich selber zulassen und nicht nur auf andere richten. Was nehme ich bei mir wahr, was nehme ich von anderen wahr und überhöre/übersehe ich?
    Gefühle sind nicht gut oder schlecht, sie sind einfach. Sie kommen und gehen (wenn keine Stress-Imprintings vorliegen). Wenn die Energie frei fließen kann, dann können auch alle Emotionen frei durch uns hindurch fließen. Sowohl die „schönen gewollten“, als auch die „unschönen ungewollten“. Wir haften ihnen nicht mehr an. Ich vermute, das ist mit spirituellen Weisheitslehren von surrender und detachment gemeint.
    Und, auch ich übe noch fleißig 😉
    Alles Liebe
    Lydia

    Antworten

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