Ob nun im Business oder privat: Wir bewegen uns ständig im Kontext zwischen dem, was wir eigentlich wollen und dem, was andere von uns erwarten bzw. dem, wozu wir uns verpflichtet fühlen. Um wirklich das zu leben, was das eigene Herz begehrt ist es unerlässlich Grenzen zu setzen. Und das ist leichter gesagt, als getan.
Mir fällt es schwer, Nein zu sagen, wenn mich jemand um einen Gefallen bittet. Auch dann, wenn ich eigentlich gar keine Lust darauf habe. Familie und Freunde zählen ja auf mich. Noch schwieriger wirds für mich, wenn aus Gefallen Pflicht wird, und Entscheidungen über meinen Kopf hinweg getroffen werden.
So oder so ähnlich kennt das doch jeder: Du wolltest den Sonntagnachmittag endlich für dich allein haben, doch die Familie hat schon entschieden, dass es Kaffee und Kuchen bei Schwiegermuttern gibt. Hm.
Da kommt man schlecht wieder raus. Sagst du Nein, fühlst du dich schlecht oder schuldig, oder beides. Sagst du ja, beißt du die Zähne zusammen und nimmst in Kauf, dass deine Pläne verschoben werden.
Du willst dein Gegenüber schließlich nicht enttäuschen und lässt dich zu Kompromissen hinreißen. So oder so: entweder du selbst fühlst dich schlecht oder die anderen tun es.
Was tun, wenn man keine Lust auf einen Gefallen hat aber auch niemanden verletzten will? Was tun, wenn andere Entscheidungen für dich treffen, obwohl sie dir nicht in den Kram passen?
Genau daraus bestand meine persönliche Übungsfläche der letzten Wochen, und sicherlich kennst das auch du:
Die Tage vergehen und von deinen Vorhaben ist keins realisiert. Ideen liegen auf Eis, deine Projekte stapelten sich. Aufgaben sind nicht erledigt, und deine to-do-Liste wird immer länger.
Wir produzieren uns noch mehr Stress und sind dann enttäuscht von uns selbst, wenn wir nicht alles unter einen Hut bekommen haben. Am Ende fühlst du dich müde und schlapp, bist unzufrieden und launisch, ja sogar genervt.

Hilfsbereitschaft ist ehrenwert, doch sollte sie nicht aus einem Mangel oder Verzicht geschehen, oder damit in Verbindung stehen. Probleme entstehen dann, wenn wir andere immer an erste Stelle setzen und dafür uns selbst, unsere Wünsche, Ideen und Projekte dauerhaft unterdrücken.

Jeder muss seine Akkus einmal aufladen und jeder hat dafür unterschiedliche Bedürfnisse. Der eine ist extrovertiert und braucht die Gruppe, um sich wieder fit zu fühlen. Der andere ist eher introvertiert und ruhig und braucht die Stille und das Alleinsein, um wieder kraftvoll agieren zu können.
Wenn wir das nicht für uns selbst erkennen, keine klaren Grenzen setzen und auf die Dinge verzichten, mit denen wir unsere Akkus wieder auftanken, bezahlen wir einen hohen Preis. Wir agieren im Mangel, sind für uns selbst und andere keine Freude und tun nicht das, was uns wirklich wichtig ist.
Der Schlüssel zu einem Leben, in dem du mehr von den Dingen tust, die du willst, liegt darin, einen kleinen Schritt nach dem anderen zu machen.

Wie immer, ist das Beste, klein anzufangen. Nein sagen zu lernen, ist ein innerer Prozess. Ein Prozess der Eigenwahrnehmung, der eigenen Wertschätzung und letzen Endes der Selbstliebe. Es geht nicht darum, egoistisch zu handeln und anderen vor den Kopf zu stoßen! Es geht darum, dich selbst konsequent gut zu behandeln, damit du auch andere gut behandeln kannst.

Ich habe gelernt, dass sich die Erde weiterdreht, auch wenn ich Nein sage. Meine Familie und Freunde waren anfangs ziemlich verwundert und ja, es gab Diskussionen über mein neues „eigenartiges“ Verhalten. Doch meine Grenzen helfen mir, bei mir zu bleiben und Kraft zu tanken, um die Dinge ins Leben zu bringen, von denen ich schon so lange träume.

Du kannst den Fokus zu dir selbst zurück holen und deine Aufgaben erreichen, die du erledigen musst und willst, in dem du zuerst deine eigenen Bedürfnisse wahrnimmst und ernst nimmst!

Wenn wir das tun, füllen wir uns selbst mit positiver Energie auf. Was von dieser guten Energie aus uns heraus- oder übersprudelt, können wir mit anderen teilen.
Wie kannst du nun also lernen, gesunde Grenzen zu setzen?
1.) Lass die Bitte um den Gefallen erst einmal auf dich wirken, anstatt sofort zuzusagen. Ein „Danke für deine Frage. Lass mich bitte erst noch einmal in Ruhe darüber nachdenken und sehen, wie ich das zeitlich einrichten kann.“ hat schon so manches Wunder bewirkt. Du darfst dir erlauben, Zeit zu nehmen, schließlich hast du dein eigenes Leben und tust was du kannst!
2.) Frag dein Barometer des Wohlbefindens, also deinen Körper, was er dazu meint. Ein Gefühl der Weite, der Ausdehnung und/oder der Leichtigkeit deutet darauf hin, dass es eine gute Entscheidung wäre, zuzusagen. Enge, Dichte oder auch Schwere heißt eher das Gegenteil.
Wenn du dir nicht sicher bist, lass dir mehr Zeit. Wenn du dir dann immer noch unsicher bist, heißt das wohl eher Nein als Ja. Lass dich nicht unter Druck setzen. Oftmals sind wir es selbst, die sich unter Druck setzen und nicht die anderen. Und wenn doch, dann deswegen, weil wir ihnen den Raum dazu geben.
3.) Verhandele. Bevor du an Familientreffen teilnimmst und total abkotzt, erlaube dir, mit deinen Mitmenschen darüber zu sprechen, welche Vorstellungen du von der gemeinsamen Zeit hattest und dass du mit der Entscheidung eher unglücklich bist. Erläutere deinen Standpunkt und wie du dich fühlst. Sprich darüber, was dir daran nicht gefällt und gut tut.
Wir alle haben unsere Brille im Gesicht, die unsere Vorstellungen formt und durch die wir das Leben wahrnehmen. Niemand sieht das, was du siehst. Drum mach es sichtbar indem du darüber sprichst!
Das ist (m)ein authentischer Weg, um Zeit, Glück, Freude und unsere Hilfsbereitschaft zu teilen. Wie gehst du mit Erwartungen anderer um? Fällt es dir leicht, Grenzen zu setzen? Welche Tipps und Tricks hast du, um Grenzen zu setzen?
Schreib mir doch jetzt im Kommentar und falls du diesen Beitrag hilfreich fandest, teile ihn gern weiter. Danke dir;)
Alles Liebe,

11 Kommentare

  1. Andrea Giesler

    Hallo Anja,
    recht hast Du: Nein-sagen ist nicht einfach, aber wichtig. Und Übungssache. Ich gehe im Grunde so vor, wie Du das auch beschreibst. Ich behalte meine eigenen Aufgaben im Blick. Dabei überlege ich auch, was zeitkritisch ist. Muss die Hilfe jetzt sofort sein? Kann ich Hilfe zur Selbsthilfe leisten? Manchmal muss man kreativ sein 🙂
    Liebe Grüße, Andrea

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    • Anja

      Danke für all eure Kommentare! Das macht sichtbar, wie wichtig dieses Thema ist und wie es uns alle bewegt.
      Ein Satz, den ich in brenzligen Situationen immer wieder im Inneren vor mir her sage, ist: „Jedes Nein ist ein Ja zu dir selbst.“
      In diesem Sinne, ein Hoch auf das Nein-sagen-lernen! 😉

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  2. Petra Schwehm

    Es fällt mir immer leichter, Grenzen zu setzen, auch bei meinen Kindern, da habe ich Gelegenheit und Übungsmaterial pur 🙂 Ich stelle fest, je mehr ich mich selbst Wert schätze & liebe, um so leichter fällt es mir, Grenzen zu setzen: Ja zu mir zu sagen und Nein zu den Erwartungshaltungen anderer.
    Danke für deinen tollen Artikel und die Inspiration, Anja!
    Alles Liebe, Petra

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  3. Ursula

    Hallo Anja,
    nein-sagen fällt auch mir nicht leicht. Aber seit ich merke, wie gut es mir tut nein zu sagen, ist zumindest die Motivation da, es immer wieder zu versuchen. Was es mir leichter macht, ist zu wissen, dass es halt ein Prozess ist. Ich bin nicht perfekt, aber mit jedem Nein lerne ich dazu. 🙂
    Und manchmal erlebt man ja auch sehr positive Überraschungen und stellt fest, dass das nein vom Gegenüber gar nicht als schlimm empfunden wird und das eigentlich Problem nur im eigenen Kopf war. Sehr erleuchtend sowas! 🙂
    Liebe Grüße
    Ursula

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  4. Eva

    Tooler Artikel – der ist mir wie aus dem Herz gesprochen!

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  5. Christina Szegedi

    Liebe Anja, ein spannendes Thema. Das Nein sagen muss gelernt werden. Ich konnte das lange nicht, werde aber immer besser darin. V.a. seit ich mich intensiv mit meinem authentischen Selbst beschäftige, spüre ich meine Grenzen viel besser. Ich mag v..a. dein Tipp mit dem sich Zeit lassen und die Antwort in Ruhe zu spüren, bevor man gleich zusagen oder absagen muss.
    Liebe Grüsse,
    Christina

    Antworten
    • Anja

      „Nein sagen muss gelernt werden.“ Treffer ins Schwarze, danke Christina!

      Antworten
  6. Christina Szegedi

    Liebe Anja, ein spannendes Thema. Das Nein sagen muss gelernt werden. Ich konnte das lange nicht, werde aber immer besser darin. V.a. seit ich mich intensiv mit meinem authentischen Selbst beschäftige, spüre ich meine Grenzen viel besser. Ich mag v..a. dein Tipp mit dem sich Zeit lassen und die Antwort in Ruhe zu spüren, bevor man gleich zusagen oder absagen muss.
    Liebe Grüsse,
    Christina

    Antworten
  7. Ines

    Liebe Anja,
    wie so oft beschäftigen uns grad die gleichen Dinge 😉
    Nachdem ich jahrelang versucht hab es allen Recht zu machen und ihre Erwartungen zu erfüllen (Kaffee und Kuchen bei Schwiegermutti ist EiN gutes Beispiel) bin ich heute bei so was raus wenn ich nicht mag.
    Es hat etwas gedauert die anderen daran zu gewöhnen dass ich zu irgendwelchen Feiern nicht komme, nicht stundenlang telefonieren will oder mir ein Treffen grad nicht passt. Ihnen zu erklären dass das nix damit zu tun hab dass ich sie nicht mag.
    Sondern dass es mich stresst und ich keine Lust dazu hab. Oder Zeit für mich brauche. Lieber allein sein will. Whatever.
    Inzwischen ist das akzeptiert. Und ich sogar respektiert und gelegentlich bewundert dafür wie sehr ich auf meine Bedürfnisse achte. – Siehstewoll! 😉
    Mein Tipp: den anderen ehrlich zu sagen WARUM ich nicht will. Ggf. eine Alternative anbieten (statt Aufschlagen zum Geburtstags-Brunch mit 50 Leuten: zu zweit sich ein paar nette Stunden machen).
    Nach geraumer Zeit wirst du zu solchen Events gar nicht mehr eingeladen. Erst kommt noch: „Ich feier am soundsovielten meinen Geburtstag mit Grillen, ner Menge Leute und viel Tamtamtam. Ich würd mich freuen wenn du kommst, aber wahrscheinlich hast du keine große Lust?“ – Irgendwann lässt das ganz nach. Und Freunde und Familie sind gar nicht sauer. Sie verstehen mich. Zumindest versuchen sie es.
    Das Wiederum schätze ich sehr.
    Mir hilft auch: Ich bin nicht auf der Welt um die Erwartungen anderer zu erfüllen. (dann wär ich ganz schön busy).
    Auf ein fröhliches NEIN-Sagen!
    Cheers,
    Ines

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    • Anja

      Danke für dein Feedback Ines! Immer das ganz ehrliche Warum nennen, finde ich eine Herausforderung, aber es ist nur fair den anderen gegenüber und mir selbst. Da hast du so recht! Es ist und bleibt eine Gratwanderung, aber es bringt uns mehr zu uns selbst. Und darum geht’s ja letztenendes! 🙂

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  8. Sandra Heim

    Liebe Anja, vielen dank für den schönen Artikel. Grenzen setzen ist wirklich eine Kunst, teilweise braucht es auch echte Kommunikationskünste, damit es niemand persönlich nimmt. 🙂 Was ich noch ergänzen würde ist das Grenzen setzen gegenüber den inneren Stimmen, die destruktiv sind. Ein „Nein“ zu Selbstzweifeln ist eines der besten 🙂 Ganz liebe Grüße! Sandra

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