„Dann konzentriere dich auf dich! Du weißt doch, was du willst, du musst es halt nur machen!“
Ja, wenn es doch nur immer so einfach wäre, oder?!
Es gibt Menschen, die ihre Ideen einfach sofort umsetzen – die Macher – und währenddessen herausfinden, was passt oder noch passend gemacht werden muss.
Und es gibt Menschen, die erst mal überlegen – die Denker. Sie müssen sich gedanklich in den Prozess hineinversetzen; müssen erst fühlen und spüren, um eine Entscheidung treffen zu können. Oftmals haben sie Schwierigkeiten ins Handeln zu kommen und ihre Ideen umzusetzen, denn es steht zu viel im Weg.
Von den Machern und den Denkern habe ich schon früh gehört. Ich mag diese Kategorisierungen nicht, denn sie werden meiner Meinung nach der Vielschichtigkeit eines jeden nicht gerecht.

Wie oft führt das Schubladen aufziehen zu Widerständen, anstatt dazu, eine Brücke zu schlagen?!
– Für uns selbst auch!
Es betrifft unser Denken, Sprechen und Handeln und manchmal sind wir schnell dabei, eingefahrene Sätze zu sagen, die wir irgendwann mal aufgenommen, aber nicht für uns selbst überprüft haben: „Das ist typisch Mann!“ oder „Das ist typisch Frau!“, „Das kann ja nur ein Mann/eine Frau so sagen!“… Zum Beispiel.
Gerade beim Umsetzen von Ideen, also der Verwirklichung von Dingen, zu denen wir uns berufen fühlen, bekommen wir es am meisten mit uns selbst zu tun.
Oft sind die Bereiche und Aktivitäten, vor denen wir uns am meisten drücken, genau die Herausforderungen, an denen wir am meisten wachsen würden. Und das ist universell, also geschlechterunabhängig.
Anstatt in Mann-Frau-Schubladen zu denken, auch für mich selbst, frage ich mich seit einer Weile daher:
Kommt es nicht vielmehr darauf an, inwieweit ich aus meiner männlichen oder weiblichen Kraft heraus agiere?!
Das Weibliche und das Männliche ist in uns, auch wenn wir in einem Körper mit Geschlecht stecken.
In unserer hypermaskulinen Gesellschaft sind die männliche Attribute stark im kollektiven Denken und Verhalten verankert. Ohne das uns groß auffällt, wie subtil und doch nachhaltig und kraftvoll dieses Ungleichgewicht zwischen männlicher und weiblicher Energie ist.
Wir deuten das Weiche des Weiblichen z.B. oft als Schwäche, als Zaghaftigkeit und als nicht wissen, was man will. Es ist sprunghaft, launisch und unberechenbar. Dabei sind genau das die Stärken der Weiblichkeit, der natürlichen Kreation.
Das Männliche wird in alten Schriften (ich beziehe mich auf Hinduismus/Yoga) als das Bewusstsein angesehen. Als Grundlage dessen, was bereits da ist, aber noch keine Form hat. Es ist die Leinwand, auf der alles möglich ist. Die weibliche Energie ist das, was die Fläche bemalt – wiederum mit der Hilfe der männlichen Kraft.
Ohne die Animation der weiblichen Kreation entsteht nichts: Ein Mann, der keine Inspiration erfährt, tut genau so wenig wie eine Frau, die nicht genug Kraft hat, um ihre vielen Ideen umsetzen zu können.
Es liegt also nicht einfach nur am fehlenden Fokus, am einfach mal tun! Es hat so viele Facetten. Durch die Arbeit mit Frauen und Männern habe ich gemerkt, dass wir jeweils unterschiedliche Zugänge haben. Auch wie wir unsere Ziele verfolgen und umsetzen unterscheidet sich erheblich voneinander. Zum Glück fand ich dann ein schlaues Buch*, in dem dies näher erläutert steht:
Die männliche Kraft erreicht ihre Ziele durch das Lösen von Aufgaben und dem Bestehen von Abenteuern. Männer scheinen Bedeutung für sich und ihre Arbeit zu schaffen, indem sie Kraft und Leistung aufbringen, die Herausforderungen erfolgreich bestehen; durch ein nach außen gerichtetes Tun. Dabei scheint die größte Angst eines Mannes zu sein, Fehler zu machen.
Die männliche Kraft in uns hat spezifische Eigenschaften:
Das sind Logik und Verstand, Analytik und Fokus, Unabhängigkeit, Disziplin und Willenskraft.
Beim Mann steht das Ziel an sich im Vordergrund – und in unserer Gesellschaft auch.
Nur was passiert unterwegs?! Auf dem Weg zum Ziel?!
Das ist es, worüber Frauen sich den Kopf zerbrechen.

Dies ist die Stärke des Weiblichen, denn sie fühlt, spürt und bezieht all die Dinge mit ein, die zwischen den Zeilen liegen, oft im Verborgenen sind, aber dennoch da und dadurch beeinflussen.
Frauen haben natürlich auch Ziele, doch sie erreichen sie anders. Bei Frauen scheint es über die Installation von Harmonie und Liebe zu laufen. Insofern sind ihnen Beziehungen und deren Dynamiken, Bedeutungen, am wichtigsten. (Häufig ja auch die Zweifel, die sie zurückhalten: Was denken die anderen? Darf ich mir das erlauben? Ich muss mich erst um die anderen kümmern, dann um mich selbst. etc.)
So wie das Leben immer bestrebt ist, in Ausgleich und Balance zu kommen, ist es die weibliche Energie auch.
Frauen wünschen sich wohl Freiheit. Ihr Ziel ist Harmonie in Beziehungen, tiefe Liebe und Zugehörigkeit zu finden. Ihre größte Angst ist die Furcht vor Gewalt; dass ihnen etwas angetan wird.
Weibliche Kraft erreicht Ziele mit Hilfe von Hingabe und Offenheit bzw. Empfangsbereitschaft, Rezeptivität. Frauen begeben sich (oft unbewusst) in den Fluss mit dem, was um sie herum stattfindet bzw. werden sie hineingezogen. (Insofern erklärt sich vielleicht, warum viele Frauen mit wenig männlicher Energie eher Denken als Machen.) Das Weibliche tauscht sich aus, teilt sich mit. Dies bringt für sie Verständnis und Gemeinschaft.
Und wer kennt das nicht?! Stecke 10 Frauen in in einen Raum und gib ihnen 20 Minuten. Sie werden eine Menge von sich erzählen und austauschen. Jede weiß dann alles.
Steckst du 10 Männer in einen Raum und fragst hinterher, wie geht’s dem und dem, oder seiner Frau, wirst du als Antwort bekommen „Keine Ahnung, darüber haben wir nicht gesprochen.“
Bei der weiblichen Energie steht also weniger das Ziel um seiner selbst Willen im Vordergrund, sondern viel eher das, was auf dem Weg dahin passiert und beeeinflusst.
Für mich persönlich ist diese Unterscheidung in weibliche und männliche Kraft sehr viel hilfreicher, denn sie eröffnet neue Blickwinkel und schafft Ganzheit, anstatt neue Grenzen und Widerstände.
Es ist also vollkommen in Ordnung, wenn manche Menschen ihre Ziele anders umsetzen wollen oder können, als dies weit verbreitet gelehrt und gelernt wird.
Meine eigene Erfahrung ist es, dass ich, als ich noch angestellt war, sehr viel männlicher agiert habe und schnell im Analysieren, Organisieren und Umsetzen war.
Als ich mich mit meiner Herzensangelegenheit selbstständig machte, kam ich ins Schleudern, denn plötzlich wurde mein Unternehmertun zum Entwicklungsweg. Starres, rein auf Fakten und Zahlen basierendes konzeptionelles Denken passte nicht mehr mit meinem Inneren zusammen.
Wichtig ist wohl, dass wir uns bewusst machen, dass jeder von uns beide Anteile – das Weibliche und das Männliche – in sich trägt. Und die gesunde Mischung macht’s!
Und es ist eine spannende, abenteuerliche Reise herauszufinden, wie beide natürlichen Energien des Kosmos in uns schalten und walten, agieren, sich ausdehnen und zusammenziehen, manchmal miteinander kämpfen, und dann auch wieder in Harmonie miteinander gehen.
Falls du gerne mehr erfahren möchtest, wie du mehr in deine Kraft kommst, dann ist der Workshop „Dein natürliches Genie – Öffne innere Türen und gebäre deine Kraft“ vielleicht etwas für dich.
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*PS: Das Buch heißt Shakti Leadership – Embracing Feminine and Masculine Power in Business, Nilima Bhat and Raj Sisodia