Hallo Erfolg. Ich weiß, du hast es eilig und lässt doch auf dich warten. Hast du mich vergessen?! Ich bin die freie Zeit, die gute Laune. Deinen Freund, die Anstrengung, würde ich gerne treffen. Vielleicht kann ich ihm behilflich sein. Das kommt auch dir zu Gute.
Ich weiß nicht, wie es dir bisher ergangen ist, aber wir alle warten wohl irgendwann in unserem Leben auf Erfolg. Erst recht, wenn uns was am Herzen liegt. Wenn der Durchbruch kommt, ist es grandios. Was aber, wenn er auf sich warten lässt?
Neulich am Telefon sagte ein sehr guter Freund zu mir „Ich habe leider keine Zeit für dich.“ Er klang müde und abgelaufen und hatte den Zustand der ultimativen Urlaubsreife erreicht. „Weißt du, Arbeit und zuhause, das ist momentan zu viel. Mein Kopf ist dicht. Ich hab den Kanal echt voll.“
Wir bemitleideten uns gegenseitig, denn mein Weg war momentan auch nicht gerade von Fans und Blumen gesäumt. Trotz Aktionsplan und Yoga und aller guten Wünsche. Ich war gestresst, nur noch im Kopf und fühlte mich so unkreativ wie schon lange nicht mehr.
Ich wette, du kennst das Gefühl, wenn sich deine Arbeit so zäh wie Kaugummi anfühlt. Wenn du auf Erlösung wartest und schon zweifelst, ob du damals überhaupt auf den richtigen Weg abgebogen bist. Wenn du dich fragst: Wozu das alles?!
Und da, plötzlich, haut er mir diese Redewendung vor die Füße. Ich holte tief Luft.

Bingo! Na klar!

Kein Wunder, dass ich wie in Starre da saß. Nichts Inspirierendes zu geben hatte und auch nichts dergleichen entgegen nehmen konnte.

Mein Kanal war voll. Aber sowas von voll!

Genau genommen waren es wohl mehrere der insgesamt 72.000 Stück, die unseren Körper durchziehen. Denn so viele sogenannte Nadis bahnen sich gemäß alter indischer Schriften ihren Weg durch unseren Körper. (Im chinesischen System nennt man sie Meridiane.)
Die Nadis sind neben den Nervenbahnen die wichtigsten Verkehrswege im Körper. Sie transportieren Prana, die universelle Lebensenergie. Die alles und jeden durchzieht, aus der alles und jeder besteht. Durch Bewegung oder Yoga, besonders aber durch einen tiefen Atem, nimmst du neues Prana auf. Probiere es aus: Atme 5-mal ganz tief und ganz bewusst in deine Lungen. Du wirst dich sofort belebt, gestärkt und wacher fühlen.
Wenn du mir nicht glaubst, dann erinnere dich doch mal: Wann hast du das letzte Mal gesagt „Heute habe ich viel Energie.“ Oder auch „Heute sind meine Energiereserven ganz leer.“ Wie tief war wohl dein Atem? Sind die Kanäle nämlich verstopft, fühlst du dich angespannt und müde, vielleicht auch schlecht gelaunt. Mit Sicherheit aber nicht sehr ideenreich und originell.
Aber zurück zu meinem Erfolg. Obwohl bestellt, ließ er ja nun tatsächlich auf sich warten.
Hatte ich denn nicht alles getan? War ich denn nicht fleißig und bemüht genug gewesen?

Ja, es ist meine Verantwortung und Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es mir gut geht. Ich weiß. Hatte ich also wenigstens dafür alles getan? Hatte ich regelmäßig gegessen, geschlafen und auch mal alle Fünfe gerade sein lassen? Mir etwas gegönnt oder auf die Schulter geklopft?
Nein. Hatte ich nicht.
Stattdessen drehte sich alles nur noch um diese Website, meinen Marketingplan und darum, wie ich schnellstmöglich das nächste Level erreichen konnte.
Mein Vorgehen glich dem Motto: Höher, schneller, weiter. Ich wollte alles auf einmal schaffen und das auch noch mit Sternchen.
Sogar meine Yogaschüler fragten mich, ob denn alles in Ordnung sei. Wie peinlich – Aber auch menschlich.
Ich hatte vergessen, was mich meine persönliche Geschichte gelehrt hatte: Alles, was ich jemals aus der Anstrengung heraus und unter Druck gestaltet hatte, war Mist. War halbgar. War lahm. War tot. Dabei hatte ich doch längst verstanden:

Die Dinge kommen zu uns, wenn wir offen dafür sind. Wenn wir es wagen wollen und bereit dafür sind, sie in die Welt zu tragen.

Wie konnte ich also übersehen, dass es mehr bedarf, als nur: machen, machen, machen.
Ich hatte mich so sehr auf andere konzentriert. Sah nur noch das, was ich noch nicht hatte. Wollte den Erfolg so sehr, dass meine Aufmerksamkeit ständig in der Zukunft war, anstatt im Hier und Jetzt zu sein und mich dem, was schon da war, mit Liebe und Hingabe zu widmen.
Entweder, das war mir klar, würde ich nun direkt Urlaub brauchen oder eine ordentliche mentale Putzkolonne.
So stellte ich mir die wichtigste Frage überhaupt:
Wie definiere ich eigentlich Erfolg?
Der Blick in den Spiegel verriet mir, dass der schönste Erfolg für mich darin liegt, wenn die Augen meiner Schüler und Klienten strahlen. Das entsteht aber erst, wenn meine eigenen Augen leuchten und mein Herz offen ist. Dann bin ich in der Lage, dieses wunderbare Leben mit all seinen Höhen und Tiefen so anzunehmen, wie es kommt. Es möglichst zu genießen und mich dabei wach und lebendig zu fühlen. Denn wenn ich mal ins Gras beiße – das weiß ich genau – hat das letzte Hemd keine Taschen.
Ohne Verbindung zu mir selbst, meinen Dialog mit der inneren Anja, bin ich nicht in der Lage, etwas in diese Welt zu tragen, von dem andere etwas haben werden. Von dem sie vielleicht sogar begeistert sein werden.

Erst wenn ich mich selbst und meine Ziele hinterfrage, kann Flow, Passion und Inspiration entstehen.

Solltest du dich also kaputt und angestrengt fühlen und auf deinen Erfolg warten, frage dich, wie du diesen definierst. Das allein ist wichtig. Das allein zählt. Deine ehrliche Antwort wird dich wieder nach vorne bringen. Ganz bestimmt.
Zurück in der Spur war ich auch schon bei der zweitwichtigsten Frage:
Was hatte ich mir eigentlich in den letzten Wochen gegönnt? Hatte ich mal Pause gemacht und mich für meine Arbeit belohnt?
Wie gesagt, hatte ich nicht. Und das war auch der Fehler im System: Sich selbst Anerkennung zu schenken ist das Wichtigste und mitunter das Schönste und Beste, was du für dich selbst tun kannst. Wenn dir keiner auf die Schulter klopft, musst du es hin und wieder selbst tun. 😉
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Alles Liebe und keep flowing,

7 Kommentare

  1. Chris

    Du sprichst so viele interessante Aspekte an, danke dafür! Ich kann mich auch gut daran erinnern, dass mir das Malen früher Erstellen von Webseiten und Grafiken fließt auch schon gute Energie, viele Grüße, Chris

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    • Anja

      Danke Chris. Ich denke, jeder hat seine eigenen Zugänge und Möglichkeiten, die eigene Ur-Energie anzuzapfen. Man muss aber wissen, welche es sind. Und da geht Probieren über Studieren. Wie immer 😉

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  2. Kirstin

    Da hast Du sehr viele gute Punkte angesprochen, Anja, vielen Dank! Auch wenn wir „wissen, wie es geht“, ist es sooo wichtig, uns immer wieder von Zeit zu Zeit daran zu erinnern und bewusst diese Dinge zu tun.
    Was mir auch hilft: Das Gefühl, dem Erfolg „hinterherzurennen“ ist kein schönes Gefühl. Also verändere ich das Gefühl. Ich bringe mich in das Gefühl der Erfolge, die ich bereits hatte und aus diesem Gefühl heraus, handle ich. Das klappt nicht immer, doch immer besser und plötzlich fühlt sich alles sehr viel leichter an.

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    • Anja

      Ja, es ist immer wieder ein Zurückkommen zum Inneren und auch das ist nicht immer so einfach. Manchmal kommt es mir so vor, als müsste man auch hier einen Muskel trainieren, wie beim Sport. Danke Kirstin!

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  3. Christl Gabriele

    Liebe Anja,
    ich liebe Deinen Blog schon jetzt. Schreib weiter so, es ist herrlich wie Du den Menschen aus der Seele sprichst.
    Bin jedes mal so dermaßen inspiriert von Deinen Worten. Danke Anja
    Herzliche Grüsse aus IN
    Gaby

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    • Anja

      Danke Gaby, das geht mir nun mitten ins Herz. Mwaaah 🙂

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  4. Sandra Heim

    Liebe Anja, genau das finde ich auch immer wieder eine Herausforderung, sich die Zeit zu nehmen und dafür zu sorgen, dass sich alles gut im Fluss anfühlt, nicht gestresst, nicht unter Druck, sondern kreativ und wirkungsvoll. Was mir hilft ist die Natur. Wenn ich meine Konzentration auf das Rascheln der Bäume lenke, den Wind, die Blätter, dann bin ich ganz schnell wieder aufgeladen. Vielen Dank für Deinen tollen Blog Post 🙂

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