Wie findet man die Berufung endlich bzw. die konkrete Umsetzung dieser Idee, die du schon so lange hast?

(Berufung meint auch „eigene Aufgabe, meine Leidenschaft entdecken, Kreativität ausleben“…)

Meine Erfahrung ist die: Wenn es sich nicht von selbst zu Papier oder in eine Form bringt, also aus dir heraussprudelt, dann ist es noch nicht soweit konkret zu werden. Dann steckst du noch im Geburtskanal und ist deswegen anstrengend, nervend oder _____________ (trage ein, was für dich passt.)

Andere können dich dann noch nicht verstehen, denn wie sollten sie sehen, was du selbst auch noch nicht ganz greifen kannst. Entspanne dich. Das ist Teil des Weges.

Du willst etwas arbeiten, was dich innerlich erfüllt.
Dazu musst du nach innen gehen und für dich rausfinden, was das ist.

Wenn es dir nicht gute Gefühle macht, dann ist es auch nicht das, was dich nachhaltig glücklich machen wird! (Dann lass es lieber gleich.)

Die Berufung kommt nicht als fertiges Paket daher… und doch ist sie längst in deinem Leben!

Allerdings nicht in der Form, in der du es erwartest.
Und genau deswegen erkennst du es nicht. Noch nicht!

Wenn ich mit Leuten zu diesem Thema arbeite, baumelt ihnen die eigene Berufung meistens direkt vor der Nase. Nur sehen sie es nicht, weil sie was anderes erwarten. Viel zu fertig denken am Anfang. Viel zu viele Schubladen, die da offen stehen. Und man verzweifelt, weil keine so recht passt.

Als ich auf der Suche nach meiner Aufgabe war, wurde mir immer wieder gesagt: „Licht ins Dunkel bringen“ — ?! Danke, ich war bedient! Was sollte das schließlich heißen?!

Im Coaching dazu sagte ich: „Ich will was mit Menschen machen, Austauch haben, mich verbunden fühlen und frei sein. Was meine besonderen Stärken oder Gaben sind?! Keine Ahnung!“ Dass ich längst „mit Menschen“ machte, sah ich damals nicht.

Obwohl ich so ziemlich jeden von Familie über Freunde coachte. Nur nannten wir das halt „Kaffee trinken“.

Ich erkannte auch nicht, wo meine wahren Interessen liegen und das, was mir ein natürliches High verschafft. Obwohl ich jedes Buch über Energie, Tantra/Tao und Bewusstsein las, die mir in die Hände fielen.

Ich fragte alle, die mich gut kannten, welche drei Dinge sie am Besten an mir fanden. „Dass du so gut zuhörst und die Dinge zusammenbringst.“

Auch da fiel der Groschen noch nicht! Weil ich zuhören nämlich nicht als Stärke sah, sondern als etwas, dass „mir halt nicht schwer fällt und ich mache weil ich generell gerne still bin.“

Ich erkannte auch nicht, dass ich andern offenbar viel gab, wenn ich nur das teilte, was mich beflügelt.

Als ich damals in meinem kleinen Wohnzimmer anfing, Yogaunterricht zu geben starb ich tausend Tode vor Aufregung. Warum kamen die zu mir, wenn sie doch in ein großen Studio gehen konnten?

Meine Erkenntnis aus der Suche nach der Arbeit, die mich erfüllt und die ganz natürlich aus mir herauskommt ohne dass ich mir den Kopf zerbrechen muss, ist, dass du deine Berufung erkennst, wenn du alle Erwartungen an deine Berufung bzw. das Wort Berufung löschst.

Du erkennst deine Berufung auch, wenn du hinguckst, wann sich andere bei dir für etwas bedanken (für was?), dich um Rat fragen (wonach fragen sie?) und du stark und gewillt bleibst, es herauszufinden.

Wie gesagt, ich hatte nur den Satz „Licht ins Dunkel bringen.“ Und du kannst dir sicherlich vorstellen, wie ich angeschaut wurde und wie unangenehm es mir war, wenn ich in eine Situation kam, in der der Satz „Und, was machst du so?“, fällt.

Urkomisch finde ich es im Rückblick schon, denn Licht ins Dunkel bringen ist genau das, was ich tue.

Lass es sich von selbst entfalten.

Löse dich von der Form.

Löse dich von deiner Erwartung.

Es wird sich dir zu erkennen geben, wenn du den Horizont frei machst. Aufhörst zu denken und deine Aufgabe, deine Berufung, anfängst zu spüren. Wenn du sie eher fühlen willst, als sie zu denken. Versuche das mal und melde dich gerne, was du wahrgenommen hast.

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